 |
|
Michael Domsalle |
|
|
Interview mit Michael Domsalla
zum Thema Werbung
Michael Domsalla, Jahrgang 1969, ist Wirtschaftsberater, Experte für
Kommunikation und Inhaber der Crossmedia Agentur KMTO. Der Berliner verfügt über
mehr als 13 Jahre Erfahrung in den Bereichen Online, PR, Klassik und
Direktmarketing in mittelständischen Unternehmen und Konzernen. Er arbeitete an
preisgekrönten deutschen, europäischen und internationalen Projekten mit. Er
war unter anderem verantwortlich für Studien und Einführungen von globalen
Unternehmensportalen. Die Karstadt AG und die HypoVereinsbank gehörten zu seinen
Kunden.
Der Konsument folgt der Industrie auf dem Weg von der Reklame zum viralen
Marketing.
DIGEST: Einst warben handgemalte Plakate für Produkte.
Heute setzen PR-Strategen zum Massenmailing an. Wohin entwickelt sich die
Werbung?
Michael Domsalla: Die Werbung verändert sich, das kann man überall sehen,
aber nicht so radikal, wie die unterschiedlichen Lager uns - je nach Interesse -
glauben machen wollen.Der generelle Trend geht zur Integration der verschiedenen
werblichen und kommunikativen Disziplinen. Um es auf den Punkt zu bringen: Der
Begriff Kommunikation erhält seine eigentliche Bedeutung zurück, nämlich laut
Wikipedia: „teilen, mitteilen, teilnehmen lassen; gemeinsam machen, vereinigen“
- also eine soziale Aktivität von Menschen über alle denkbaren Medien. Im
Rahmen dieser allgegenwärtigen Kommunikation behält die Werbung ihre Aufgaben,
z.B. Bekanntheit, Aufmerksamkeit, Information und Image von Marken und vieles
mehr, nur eben mit einem veränderten Handwerkszeug.
DIGEST: Ab wann und warum wurde Werbung möglich und nötig,
um den Verkauf von Produkten zu unterstützen?
Michael Domsalla: Werbung war schon immer ein zusätzliches Instrument, um
Waren besser zu verkaufen. Im Kern kann man den Herkunftsstempel von Töpferwaren
der Antike bereits dazu zählen. Seinen echten Durchbruch erlebte die Werbung
aber mit dem Aufkommen der Massenmedien, weil man auf diese Art sehr viel mehr
potenzielle Kunden erreichen konnte als über den Vertrieb oder das Produkt
selbst. Außerdem haben Kunden auf diese Art schon ein Kaufziel, bevor sie ein
Geschäft betreten oder eine Einkaufsentscheidung treffen. Das ist ein enormer
Vorteil gegenüber dem Wettbewerb. Denn dieser wird in den Köpfen der Kunden
entschieden.
DIGEST: Welche Hürden müssen heute überwunden werden, um
die ungeteilte Aufmerksamkeit des Konsumenten für ein Produkt zu erhalten?
Michael Domsalla: Ungeteilte Aufmerksamkeit wäre als Ziel deutlich über
selbiges hinausgeschossen. Selbst geringe Aufmerksamkeit herzustellen ist schon
schwierig genug, reicht aber meistens. Dafür braucht es Kreativität und diese
braucht, nomen est omen, Mut. Der zweite Teil ist Wiederholung. Erst die
permanente Wiederholung schafft genug Aufmerksamkeit. Die einzelnen Medien
wissen allerdings sehr genau, ab wann die erhoffte Wirkung typischerweise
eintritt. Der wichtigste Punkt ist aber die Kenntnis des Kunden. Wenn ich weiß,
wofür sich Menschen interessieren, habe ich eine natürliche Aufmerksamkeit, auf
der ich kreativ aufbauen kann. Dann nervt auch die Wiederholung nicht mehr.
Erst danach kommt das Handwerkszeug zum Tragen. Dazu gehört heute eine gute
Kenntnis der verschiedenen Medien und wie Menschen diese nutzen. Ein
fundamentaler Unterschied besteht zum Beispiel zwischen klassischen und
digitalen Medien, denn Erstere werden passiv, Letztere aktiv genutzt. Die
Kommunikationsstrategie muss beides sinnvoll verbinden können. In der Praxis
werden leider vor allem passive Strategien auf digitale Medien übertragen. Da
geht viel Potenzial verloren.
DIGEST: Nur durch Werbung wird ein Produkt zu etwas
Besonderem? Wann hat eine Marke/ein Lifestyle-Produkt den Konsumenten in der
Tasche?
Michael Domsalla: Ein klares Nein auf die erste Frage. Per se ist das
Produkt das Besondere. Es gilt der Klassiker: Durch gute Werbung mache ich ein
schlechtes Produkt noch schneller als solches bekannt. Außerdem nutzt gute
Werbung nichts, wenn das Produkt nicht erhältlich ist. Der Vertrieb muss also
passen. Auf dieser soliden Grundlage kann die Werbung aber dafür sorgen, dass
ein Produkt aus der Masse anderer Angebote herausragt. Werbung kann das Produkt
zudem mit Eigenschaften versehen, die es auf den ersten Blick nicht hat, z.B.
das Gefühl zu einer bestimmten Gruppe von Menschen dazuzugehören.
Werbung gehört zum Standard des Marketing einfach dazu, erst danach kommt die
Kür. Erfolgreich ist Kommunikation, wenn sie den Kunden bewegt, das Produkt zu
erwerben, sich damit gut zu fühlen, es anderen zu empfehlen und wiederzukommen.
Eine starke Marke sorgt z.B. dafür, dass andere Produkte einfach mitgekauft
werden, weil sich der Konsument auf die Marke verlassen kann. Die Frage ist also
eher: „Wann hat der Konsument das Lifestyle-Produkt in der Tasche?“ Gute Werbung
ist also einfach „Die zarteste Versuchung, seit es Schokolade gibt“.
Mehr
Informationen
www.kmto.de |