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Petra Sammer |
Der Trend ist weiblich
Petra Sammer verantwortet als Geschäftsführerin die strategische
und kreative Ausrichtung von Ketchum Deutschland. Seit über 15 Jahren berät sie
Unternehmen in klassischer PR, Marketing und Unternehmenskommunikation.
Ketchum ist eines der größten Public Relations-Netzwerke weltweit
und agiert in über 50 Ländern.
www.ketchum.com und
www.ketchum.de
Über die Ergebnisse der quantitativen Studie
„Women 25-54“ und anderen Umfragereihen sprach DIGEST
mit Petra Sammer von Ketchum.
DIGEST: Warum sind Frauen eine Zielgruppe mit Zukunft?
Petra Sammer: Frauen entscheiden über 80 Prozent aller Haushaltsausgaben.
Dies schließt auch größere Investitionen wie Immobilien oder die
Wohnungseinrichtung ein, die von Frauen maßgeblich beeinflusst werden. Darüber
hinaus sind Frauen geborene Empfehlungsmanagerinnen: Empfänglich für Ratschläge
und bereitwillige Botschafter. Das macht sie zu kompetenten Multiplikatoren im
realen und inzwischen zunehmend auch im virtuellen Leben.
DIGEST: Nicht zuletzt wegen ihrer zunehmenden Kauf- und
Entscheidungskraft stehen Frauen als wichtige Zielgruppe verstärkt im Fokus von
Kommunikation und Marketing. Wie wirbt man um diese Zielgruppe?
Sammer: Entscheidend ist, sich auf die Lebens- und Gedankenwelt von
Frauen einzustellen und die Botschaften und Kanäle entsprechend anzupassen. Dass
Frauen Multi-Tasking fähig sind ist inzwischen hinlänglich bekannt. Doch die
weibliche Zielgruppe betreibt darüber hinaus „Multi-Minding“ – die Fähigkeit, an
verschiedene Aufgaben gleichzeitig zu denken und an deren Lösungen zu arbeiten.
Rund zwei Drittel der Frauen gehen in zwei Minuten mehrere unterschiedliche
Gedanken durch den Kopf, dies ist nur bei 40 Prozent der Männer der Fall. Dabei
denken Frauen innerhalb von fünf Minuten an bis zu zehn Themen. Männer im
Durchschnitt an drei. Dies fand Ketchum in einer repräsentativen internationalen
Studie heraus. Frau von heute denkt dabei nicht nur an sich selbst. Sie ist
Empathin, fühlt sich in Andere ein und hat die Bedürfnisse ihres Umfeldes stets
abrufbar im Kopf: Der Geburtstag des besten Freundes, die neue Strategie ihres
Arbeitgebers, die Jobsuche der Schwester – im weiblichen Kopf werden etliche
Informationen und Menschen organisiert. Dieses Bedürfnis müssen die Botschaften
an Frauen aufgreifen – das bedeutet z.B. den Fokus auf Nutzen- und
Wirkungsinformation zu legen, nicht nur auf technische Details.
DIGEST: Frauen denken anders, nehmen Informationen anders
auf. Wichtige Informationsquellen für Frauen? Wie müssen Marketingbotschaften
gestrickt sein, die auf diese besondere Denke Rücksicht nehmen?
Sammer: Frauen wünschen sich glaubwürdige Botschaften und Botschafter,
beziehungsweise Informationsquellen. Der Nutzen eines Produktes oder Themas muss
klar herausgestellt werden. Für den Anbieter heißt das, bei jeder Ansprache von
Frauen deren Bedürfnisse im Fokus zu halten. Und diese Bedürfnisse sind
Nutzen-orientiert, das heißt nicht die Volumenangabe in Kubikmetern ist das
schlagende Argument für die Größe eines Kofferraums, sondern die Tatsache, ob
der Kinderwagen ohne Probleme hineinpasst. Abhängig vom Themenfeld vertrauen
Frauen unterschiedlichen Informationsquellen. Entscheidend für den Erfolg einer
Kampagne ist neben der richtigen Botschaft daher auch die Auswahl der passenden
Informationskanäle. Denn Frauen nutzen mehr Quellen als Männer. Die
meistgenutzten Informationsquellen für Frauen sind Medien und Zeitungsberichte
(62 %), gefolgt von Freunden und Verwandten (51 %). Mit 23 Prozent folgt an
dritter Stelle das Internet, dem wachsende Bedeutung zukommt. Doch entscheidend
ist: Wem (ver)traut Frau? Laut Ketchum-Studie ist dies von Branche zu Branche
sehr unterschiedlich. In Beauty-fragen hören Frauen zum Beispiel in erster Linie
auf ihre beste Freundin, gefolgt von Experten wie der Kosmetikerin und erst an
dritter Stelle folgen Medienberichte. Bei Gesundheitsprodukten steht der Experte
(Ärzte und Ernährungswissenschaftler) als glaubwürdigste Quelle an erster
Stelle, gefolgt von Bekannten und Eltern. Der Lebenspartner wird in beiden
Bereichen kaum befragt. Sein Rat gilt mehr bei Elektronikprodukten – allerdings
spielen hier wiederum auch Medienberichte eine entscheidende Rolle. Diesen
sogenannten Credibility-Mix, gilt es zu berücksichtigen, um eine erfolgreiche
Ansprache der Zielgruppe Frau zu erreichen.
DIGEST: Was sind die Bedürfnisse/Vorlieben
dieser Zielgruppe? Wie ist dem von Unternehmerseite her zu begegnen?
Sammer: Für den weiblichen Teil der Bevölkerung steht der
reine Besitz eines Produktes nicht an erster Stelle. Eine kompetitive,
Status-orientierte Denke ist eher maskulin geprägt. Wichtig für Frauen ist, die
passende Lösung (Empfehlung) für eine bestimmte Situation oder Person zu finden.
Dabei spielt neben der Nutzenorientierung auch die Tonalität und Wortwahl der
Ansprache eine Rolle. So bevorzugen Frauen im Vergleich zu Männern eine
emotionalere, beziehungsorientierte Ansprache, ausladende Superlative verfehlen
dagegen ihre Wirkung.
DIGEST:
Für jede Branche oder Produktkategorie gibt es einen ganz
spezifischen Mix an vertrauensvollen Kommunikationskanälen. Marketing für Frauen
muss diesen idealen, produkt- bzw. branchenspezifischen Mediamix kennen und
individuell bedienen. Auf welche Kanäle wird in der
Glas/Keramik/Porzellan-Branche zurückgegriffen?
Sammer: Die Glas-Keramik-Porzellan-Branche umfasst mehrere Segmente, die eine
entsprechend unterschiedliche Fokussierung erfordern. So kann zum Beispiel im
Dekorationsbereich, insbesondere im Premium Segment, der Einsatz von
Multiplikatoren besonders wirkungsvoll sein, wohingegen bei der Bädergestaltung
umfassende Information in Fachtiteln wichtiger ist.
Allen gemein ist der besondere Wert von Empfehlungen. Empfehlungen sind mit
persönlicher Wertung gespickte Ratschläge, denen der Empfänger vertraut. Neben
klassischen Kanälen wird hier der Online-Bereich, insbesondere bei einer
jüngeren Zielgruppe, immer wichtiger. Denn: Frauen hören auf Frauen. Um
nachhaltige Wirkung zu erzielen sind Word of Mouth-Aktivitäten und Social
Communities – ob offline oder online – für erfolgreiches Marketing mit Frauen
unumgänglich.
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