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Matthias Horx,
Gründer des Zukunftsinstituts, fesselte das Publikum des
Zukunftskongresses 2010.
Als Keynote-Speaker verortet er den aktuellen Stand der Trend- und
Zukunftsforschung. |
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Zukunftsreferentin Corinna Langwieser prognostiziert
eine neue Ära des
partizipativen Konsums |
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„Konsument
2020”: Richtungsweisende Zukunftsstudie |
Zukunftskongress 2010:
Unternehmen Zukunft – Zukunftsunternehmen
Beim Zukunftskongress Anfang Juli in Frankfurt erläuterte Corinna Langwieser dem
bis auf den letzten Platz besetzten Auditorium, was Verbraucherwunsch sein wird
und welche Trends das Einkaufsverhalten beeinflussen werden. Für DIGEST wird
Corinna Langwieser, zusammen mit Anja Kirig Autorin der Studie „Konsument 2020“
des Zukunftsinstituts, konkret. Sie erklärt, wie sich der mittelständische
Handel auf Konsumtrends unter dem Megatrend
„Individualisierung/Selbstverwirklichung 2.0“ einstellen kann:
DIGEST: Beim „Ich-Werte-Konsum“ wollen die LOHAS nicht nur mit Geld, sondern
durch direktes Wirken Gutes tun. Was bedeutet das für ein
Fachhandelsunternehmen?
Corinna Langwieser: Entscheidend am „Ich-Werte-Konsum“ ist die
Übertragung auf die persönliche Ebene. Jeder einzelne Käufer möchte das Gefühl
haben, mit seinem Handeln möglichst wenige Schäden zu verursachen. Da das nicht
immer geht, weil zur Herstellung und beim Transport von Waren Ressourcen
benötigt werden, lassen sich neuartige Gegengeschäfte auch in einem
inhabergeführten Unternehmen perfekt realisieren. Jeder Verantwortliche kann
dabei für sich entscheiden, an welcher Stelle der Konsument in die Pflicht
genommen wird. Welches Gegengeschäft passt zu seiner Marke? Welche Strategie
entspricht der Firmenphilosophie? Welche Mitwirkungsmöglichkeiten des Kunden
machen Sinn? Der Ich-Werte-Konsum erlaubt Genuss mit Sinn.
DIGEST: Beim Konsumtrend „Mood Manufacturing“ – Glück als USP – sollen
Konsumgüter ihre Eigentümer nachhaltig emotional zufriedenstellen. Wie kann der
mittelständische Einzelhandel Glück als USP nutzen?
Corinna Langwieser: Zum einen, indem er sein Geschäft als Beitrag zur
Befriedigung persönlicher Konsumbedürfnisse versteht. Das fängt bei einer
optimistischen Einstellung von Firmenleitung und Mitarbeitern an und endet bei
einer hohen Servicequalität. Des Weiteren werden wir künftig erleben, dass unter
dem Stichwort Glück immer neue Produkte in die Regale gelangen, die das
Glücksgefühl der Käufer optimieren können.
DIGEST: Konsumtrend „How-to“ – wir wollen es wissen: Für Sie ist das
Maggi-Kochstudio Pionier für diesen Trend. Tatsächlich generieren
Cookshop-Fachhändler mit eigenen Kochschulen guten Umsatz. Verkauft sich hier
das Lernen und nicht das Ergebnis?
Corinna Langwieser: Es ist richtig, dass auf den großen Konsumtrend „How-to“ ein
kleinerer Marketingtrend des Public Cookings aufgesetzt wurde. Nun gilt es,
diese Idee gezielt auf die eigenen Markenkernwerte zu übertragen. Jeder Anbieter
muss für sich klären, welche Zielgruppe er mit seinen Schulungsangeboten
erreichen möchte, welche Specials dort angeboten werden und wie dieses Angebot
in den gesamten Markenauftritt passt. Wer den Konsumententrend How-to ernst
meint, der hilft den Menschen, ihr Bedürfnis nach Durchblick und Anleitung zu
befriedigen.
DIGEST: Neben dem Wissen geht es beim Trend „How-to“ um das Erleben wollen. Sie
verweisen hier auf Flagshipstores der Marken, die mit viel Geld Faszination
erlebbar machen. Funktioniert das auch im „normalen“ Einzelhandel?
Corinna Langwieser: Der Erfolg von kleinen Spezial-Shops beweist: Mit einem
konzentrierten Angebot lässt sich bisweilen authentischer und zielführender auf
die Bedürfnisse der Konsumenten reagieren als mit einem großen
Gemischtwaren-Laden. In diesem Sinne eignet sich die Idee des „How-to“ für jeden
interessierten Einzelhändler. Sie bedeutet, dass die Sehnsüchte des Konsumenten
danach, ernst genommen zu werden und die Produkte zu bekommen, die seinen
Wünschen am besten entsprechen, umgesetzt werden. Je komplexer unsere Lebenswelt
in Zukunft wird, desto bedeutender wird dieser Konsumtrend.
DIGEST: Konsumtrend „Dialogisierung“: Wie kann ein Einzelhändler zwischen
Communities von Megabrands und Ideenwettbewerb bei Tchibo noch im Gespräch
bleiben? Anders als bei der guten alten Mundpropaganda scheint beim neudeutschen
Buzz-Marketing der Fachhandel keine Chance mehr zu haben.
Corinna Langwieser: Das sehe ich anders. Der Konsumtrend „Dialogisierung“ ist
die Antwort auf die veränderten technischen und soziokulturellen Möglichkeiten
und damit die Übertragung der Mund-zu-Mund-Propaganda auf die heutige Zeit. Wer
es schafft, die Vorteile seines Angebots allein über das Weitersagen
hinzubekommen, ist von sich aus auf einem guten Weg. Für alle anderen gilt: Die
Idee einer Dialogisierung stellt keine Bedrohung, sondern eine Chance auch für
den lokalen Fachhandel dar. Das Web 2.0 bietet ja gerade die Möglichkeit, mit
relativ kleinem Aufwand eine große Wirkung zu erzielen. Auch wer nicht in einen
direkten Dialog mit dem Hersteller oder Verkäufer tritt, möchte persönlich
angesprochen werden, sich ernst genommen fühlen und will wissen, über welche
Kanäle er Kontakt aufnehmen könnte. Aufmerksamkeit lässt sich auch mit kleinen
Dialogisierungsideen erregen, bei denen die Konsumenten um ihre Meinung oder um
Neugestaltungsvorschläge gebeten werden.
Das Interview führte Eva Barth-Gillhaus
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„Konsument 2020”: Richtungsweisende Zukunftsstudie
Wie denkt, fühlt
und kauft der Kunde von morgen – wichtig für vorausplanende
Konsumergüter-Hersteller. Eine fundierte Studie des
Zukunftsinstituts gibt Hilfestellung.
„Konsument 2020“ baut auf dem Erfolg der Studie „Konsument 2010“ auf
und beschreibt mit vielen Praxisbeispielen und Infografiken die zehn
wichtigsten Konsumtrends im Wandel der Zeit. Im Fokus stehen
authentische Wünsche und neue Sehnsüchte der Konsumenten sowie
gesellschaftliche Wertewandelprozesse, die die Märkte von morgen
prägen und bestimmen werden. Die Autorinnen Anja Kirig und Corinna
Langwieser erläutern, wie die Konsumkultur künftig neue Wege
zwischen Vernunft, Lust und Moral geht. Zukunftsfähige
Produkte/Dienstleistungen müssen verstärkt die Sinne des Konsumenten
ansprechen und dabei individuell, nachhaltig und situativ sein.
Das Design der Zukunft, so ist der Studie unter anderem zu
entnehmen, wird von Multifunktionalität bestimmt: Design muss mehr
als nur schön sein. Künftig zählt verstärkt wieder die
Funktionalität, ohne dass die Gestaltung vernachlässigt werden darf.
Design ist für den Konsumenten eine Selbstverständlichkeit geworden.
Der Anspruch an Produkte wird heißen: praktisch, haltbar, günstig
und schön. Ein Rat an die Hersteller: „Sprechen Sie Ihre Kunden auch
über Material und Gestaltung in ihren Grundsehnsüchten an.“ Eine
weitere Forderung der Konsumenten, auf die sich Unternehmen und
Händler laut „Konsument 2020“ einstellen sollten: Kunden möchten
nicht nur bedient, sondern auch verstanden werden.
Zu den wichtigsten Schlussfolgerungen für die Konsummärkte des
kommenden Jahrzehnts zählt die Studie auch den Fakt, dass die
Verbraucher der Zukunft Abstand vom reinen Lustkauf nehmen werden.
Produkte werden vielmehr aufgrund einer neuen, realen Bedürfnislage
gekauft. Daher empfiehlt die Studie dem Handel und der Industrie:
„Vereinfachen Sie den Alltag der Konsumenten durch Services und
Dienstleistungen, die Zeitgewinn, Bequemlichkeit und Kompetenz im
Alltag garantieren. Und verkaufen Sie Produkte, die sich für beide
Seiten nachhaltig lohnen; erweitern Sie die Kernleistung Ihrer Marke
um zusätzliche Dienste.“
Neben den zehn neuen Konsumtrends zeigt „Konsument 2020“ die
wichtigsten Schlussfolgerungen für die Konsummärkte des kommenden
Jahrzehnts auf. Zusätzlich gibt es Kurzbeschreibungen zu den
relevanten Lebensstil-Gruppen der Zukunft, die den Entscheidern in
Unternehmen die Relevanz der Trends für ihre Zielgruppe
verdeutlichen.
www.zukunftsinstitut.de
Angelika Campbell
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