Deutsche GPK-Fachhändler auf
Informationstour in Stockholm
Was können wir von den Kollegen in Skandinavien lernen? Dieser Frage gingen
deutsche
GPK-Einzelhändler in Stockholm nach – mit inspirierenden Ergebnissen.
Im August und September letzten Jahres absolvierten zwei Erfa-Gruppen mit
interessierten Fachhändlern ein zweitägiges Informationsprogramm durch die
Branchen-Hotspots von Stockholm. Für den GPK-Bundesverband hatte der
Mönchengladbacher Unternehmensberater Gerhard Schneider die Besichtigungen und
Begegnungen organisiert, um den Teilnehmern gute Anregungen für eigenen Laden
daheim zu vermitteln.
Den Auftakt der ersten Tour bildete ein Besuch der Fachmesse Formex auf dem
Stockholmer Messegelände. Unter der charmanten Führung von Event-Managerin Maria
Strandberg Torén schaute sich die deutsche Delegation dort ausgiebig um – und
war begeistert. Gerhard Schneider: „Besonders gefielen uns Überschaubarkeit und
klares Design dieser Schau. Auch attraktive Accessoires wie Lederwaren, Schmuck,
Dekoobjekte, Wellness-Artikel und Kerzen, die ja für unsere Branche immer
interessanter werden, waren hier konzentriert, darunter einiges, was auf anderen
Messe so nicht zu sehen ist.“ Wie zu hören war, kauften einige der Teilnehmer
direkt vor Ort ein und wollen demnächst noch einmal zur Formex fahren.
Beim Rundgang durch Stockholms GPK- und Geschenkartikel-Szene ließen sich die
Erfa-Gruppen von der konsequent modernen, minimalistischen Art beeindrucken, in
der hier skandinavisches Design präsentiert wird. Was auffiel: In Stockholm gibt
es kaum noch selbständige Fachgeschäfte. Aus einigen regionalen Fachhändlern
sind wirtschaftliche Größen geworden, die inzwischen erfolgreiche Filialkonzepte
aufgebaut haben. Der Handel in dieser Stadt mit rund 795.000 Einwohnern
profitiert von einer vergleichsweise hohen Pro-Kopf-Nachfrage und einem hohen
Kaufkraftindex. Dementsprechend konnten die deutschen Händler mit ein wenig Neid
feststellen, dass die besuchten Fachgeschäfte zum Teil proppevoll waren und
kräftig eingekauft wurde.
Der Stil der meisten dieser Läden, so Gerhard Schneider, faszinierte die
deutschen Besucher durch seine Schlichtheit: „Auch wenn manches fast primitiv
wirkt und an Lagerräume erinnert, ist der Gesamteindruck sehr ansprechend; die
Waren werden fantastisch in Szene gesetzt.“ So präsentiert der schwedische
Filialist Cervera, mit 75 Geschäften einer der größten Einzelhandelsanbieter in
Schweden, Gläser vor einer großen Schieferwand, wodurch das Material besonders
gut zur Geltung kommt.
Hier wie in vielen anderen Läden sind die Artikel konsequent nach Farben
durchsortiert. Das geht bei Bruka Design, einen Store mit anspruchsvollen
Wohnaccessoires, so weit, dass im ganzen Laden nur vier Farben zu sehen sind.
Und bei „Granit“, einem Filialisten mit 16 Geschäften in Schweden und Norwegen,
finden sich im durchgestylten Ambiente nur die Farben Weiß, Grau und Granit.
„Granit“ ist spezialisiert auf alles, was mit Bevorratung, Ablage etc. zu tun
hat – ein großes Thema in Schweden, das sicher auch bei uns Zukunft hat. Ähnlich
auf Ordnungssysteme ausgerichtet ist das „Lagerhaus“ in Stockholm, wo es aber
auch Heimtex, Geschenk- und Haushaltsartikel gibt.
Weitere Stationen waren der berühmte Flagship-Store von „Design House Stockholm“
mit seinem ausschließlich schwedischen Design – eine Filiale hat jetzt auch in
Frankfurt eröffnet -, der Laden von „Design Torget“ mit witzigem und praktischen
Design aus Skandinavien, Iittala, der Zusammenschluss diverser finnischer
Marken, mit einem Ladenlokal in radikalem Lagerraum-Ambiente, das
Franchiseunternehmen „Village“ mit attraktivem Home-Interior-Sortiment sowie „Clas
Ohlson“, ein großer innerstädtischer Fachmarkt rund um Haus, Heim und Garten.
Hier greift das Konzept themenbezogener Kojen, die dem Kunden die Orientierung
erleichtern.
Als sehenswert stuften die Teilnehmer auch den Flagship-Store von „Marimekko“
und den schicken Laden „Cordon Bleu“ ein. Gut gefiel ihnen auch das
Einrichtungshaus „R.o.o.m“, das mitsamt Restaurant, Kochschule und mehreren
Shop-in-Shops in einer Fabrikhalle außerhalb von Stockholm untergebracht ist.
Trendy und erfolgreich ist auch der familiengeführte Laden „Stockhome“, der mit
seinem großflächigen Konzept für designorientierte Haushalt-, Freizeit und
Geschenkartikel unter einer Straßentrasse Stockholms angesiedelt ist. Ein Besuch
im Second-Hand-Shop „Grandpa“, eingerichtet mit altem Hotelempfang und Hotelbar
und in Reiseführern erwähnt, durfte natürlich auch nicht fehlen, ebenso wenig
eine Visite im Flagship-Store von „Orrefors Kosta Boda“, wo es wunderschönes
Glas made in Sweden, edel präsentiert, zu bewundern gab.
Insgesamt besuchten die Gruppen 21 Unternehmen und führten Gespräche mit den
schwedischen Betreibern, so zum Beispiel mit Isaac Pineus von Stockhome, der
ihnen mit großem Engagement gute Tipps gab, oder mit Jörgen Erikson vom
Nobelkaufhaus „NK“. Der brachte sein Erfolgskonzept auf den Punkt: „Keine
Sonderangebote, klare Preisvorstellungen und vor allem: eine perfekte
Präsentation!“ Wie das geht und wie man mit guten Ideen, Crossover-Angeboten und
klarer Strukturierung in modern-coolem Ambiente erfolgreich verkaufen kann,
davon erhielten die deutschen Erfa-Gruppen auf dieser Nordlandreise einen guten
Eindruck. Gerhard Schneider plant weitere Aktionen dieser Art.
Angelika Campbell