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Matthias Horx |
Versicherungen für Kühe, Mut
zur Hässlichkeit und Weltraumreisen vom Discounter - die Schlüsseltrends des
neues Jahrzehnts?
Kreativer Kapitalismus: Der Kunde steht im Mittelpunkt
Der Trend-Report 2010 des Zukunftsinstituts ist erschienen und bietet wieder
spannenden Lesestoff für alle, die wissen wollen, wie es weiter geht mit unserem
Dasein in der Postmoderne und nach der Krise. Wer den Trend-Report in den
letzten Jahren gekauft hat, weiß, dass es sich hier nicht um ein
systematisch-wissenschaftliches Werk handelt. Die Autoren erheben keinen
Anspruch auf Vollständigkeit oder Abbildung aller Trend-Entwicklungen in allen
Branchen, Sektoren und Bereichen. Im Zentrum stehen soziokulturelle Trends, die
im Spannungsfeld zwischen Technologien, Sozialstrukturen und
Wertewandel-Prozessen die Gesellschaft verändern. „Bei der Auswahl spielen
spontane Einschätzungen und das Bauchgefühl ebenfalls eine Rolle“, sagt
Herausgeber Matthias Horx, Inhaber der Zukunftsinstitut GmbH.
Matthias Horx und seine Autoren prognostizieren in ihrem Werk unter anderem den
‚Kreativen Kapitalismus’. Darunter verstehen sie, dass Produkte, Stückzahlen und
Output nicht mehr die Bedeutung haben wie zuvor. Stattdessen stehen die
Steigerung des gesellschaftlichen Wohlstands und die Selbstverwirklichung jedes
Einzelnen im Vordergrund. „Die meisten Branchen haben seit den 1990-er Jahren
Innovationen lediglich im Sinn des Firmennutzens betrieben“, so Horx. Die
kreative Marktwirtschaft stelle dagegen den Kunden in den Mittelpunkt. „Im
Kreativen Kapitalismus rücken das Individuum und seine Talente ins Zentrum der
Produktivität“, sagt der Zukunftsforscher.
Nicht zuletzt die Krise des letzten Jahres habe zu einer Erosion der alten
Wachstumsparadigmen und der Suche nach neuen Orientierungen geführt. Die im
Trend-Report 2010 zu lesende Konsequenz: „Während die Nachwehen der Krise in
vielen Branchen vorübergehend eine Kapital- und Firmenkonzentration bewirken,
zeichnen sich dahinter die Konturen einer neuen Wirtschafts- und
Gesellschaftsordnung ab, die sich im kommenden Jahrzehnt realisieren wird: die
kreative Ökonomie.“
Derzeit, so die Autoren, zerbrechen die alten Wertschöpfungsketten durch neue
mediale Vermittlungen. In der klassischen Industrie-Ökonomie war der
Wertschöpfungsprozess linear: Marktforschung, Entwurf, Design, Produktion,
Lagerung, Marketing, Handel. Am Ende nahm „der Verbraucher“ die Produkte dankbar
an, Heute ist aus dem Verbraucher, dem braven „Consumer“, ein störrischer „Prosumer“
geworden. Er tauscht sich in Internet-Foren über Produkte aus, überspringt durch
das Internet den Handel oder greift sogar in die Produktion ein („on demand“).
Angesichts dieser Entwicklung monieren die Autoren des Trend-Report 2010: „Viele
Handelssektoren haben den Wandel der Einkaufsgewohnheiten, der mit dem Internet
entstand, nicht in neuen Konzepte umgesetzt. Erlebnis- und Qualitätseinkauf
wurden in Nischen abgedrängt, spannende neue Produkte selten ernsthaft
ausprobiert.“ Auch die meisten Veränderungen in der Computer- und
Kommunikationsindustrie seien nach Meinung der Autoren nicht am Kundennutzen
ausgerichtet, technische Geräte würden als unnütz und überkompliziert
wahrgenommen. Konsequenz: „Die neue multipolare Welt erzeugt einen
Evolutionsdruck auf unsere Ökonomie. Sie muss dynamisch-innovativer werden und
sich von den alten Produktionslogiken verabschieden.“
Weitere aktuelle Themen, die der Trend-Report 2010 mit teilweise überraschenden
und provokativen Thesen in den Fokus stellt, sind Apps fürs Handy, die es
bereits in 80.000 Varianten gibt - lustige, verrückte, nützliche und nutzlose
Computerprogramme - , der Mega-Trend China, die Renaissance der Kartographie,
Alternativenergien, die „Fear Economy“ mit ihrer Angst vor Katastrophen und dem
Bedürfnis nach Sicherheit: In Indien werden sogar Kuhversicherungen angeboten.
Weitere Themen: 3-D-Technologien, private Weltraumflüge, der Trend zum
schlechten Geschmack und „urbaner Eskapismus“: Outdoor-Aktivitäten halten Einzug
in die Stadt.
Angelika Campbell
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