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Der „Trendbüro
Werte-Index 2009“ mit den ausführlichen Beschreibungen aller Werte
ist im Buchhandel und über
www.amazon.de erhältlich.
Preis: 28 Euro, circa 80 Seiten |
Was den Menschen am Herzen liegt:
Werte auf dem Prüfstand
Der Trendbüro Werte-Index liefert ein vielschichtiges Bild davon, wie User im
Internet die wichtigsten Werte diskutieren. Grundlage der Analyse sind zwölf
Wertebegriffe, die von Medienphilosoph Norbert Bolz, Professor an der
Technischen Universität Berlin, ausgearbeitet wurden. Über ein Jahr wurde deren
Frequenz und Diskussion im deutschsprachigen Web beobachtet.
„Einigkeit und Recht und Freiheit“ - als August Heinrich von Fallersleben 1841
diese Zeile für die spätere deutsche Nationalhymne schrieb, konnte er nicht
ahnen, mit welchem Thema viele Deutsche „Freiheit“ 168 Jahre später tatsächlich
verbinden: Es ist das Internet.Ähnlich geht es auch Untersuchungsinstrumenten,
die Menschen ausschließlich danach befragen, wie relevant verschiedene Werte für
ihr Leben sind. So lässt sich zwar die Wichtigkeit eines Wertes beziffern – aber
nicht die Bedeutung des Wertes selbst für den Befragten: Was versteht er
überhaupt unter dem vorgegebenen Begriff? Welche Rolle spielt er in seinem
Alltag? In welchen Zusammenhängen ist er in seinem Leben relevant?
Zuhören statt Fragen
Die Analyse von Userkommentaren im Internet eröffnet neue Möglichkeiten
und Ansätze. Analysiert wird das, was User von sich aus thematisieren und
unbeeinflusst von einem Untersuchungsinstrument von sich geben. Auf diese
Methode greift auch der Trendbüro Werte-Index, zurück der in enger Kooperation
mit Liquid Campaign entstanden ist. „Wer fragt, erhält oft die Antworten, die er
erwartet. Wer zuhört, erfährt, was die Menschen wirklich beschäftigt“, lautet
die Grundidee des Untersuchungsansatzes. Tatsächlich zeigt sich, dass User
Wertebegriffe wie z. B. Gerechtigkeit, Erfolg und Familie mitunter anders
interpretieren als vermutet.
Familie: Sorgen
überwiegen Freude
Am eklatantesten zeigt sich der Unterschied zwischen Ideal und Praxis am
Wert „Familie“. In Befragungen erlangt die Familie regelmäßig
Spitzenplatzierungen. Und auch in den ausgewerteten User-Diskussionen gehört die
Familie zu den am häufigsten genannten Wertebegriffen. Was in solchen rein
quantitativen Auswertungen aber verborgen bleibt, ist die Bedeutung des Themas
Familie für die Menschen in ihrem Alltag. Denn in der Praxis stellt für die
meisten Menschen die Familie keineswegs das harmonische Ideal einer heilen Welt
dar. Wenn User über Familie sprechen, dann meistens in Verbindung mit sozialen
und ökonomischen Schwierigkeiten. Fast jedes zweite User-Statement zum Wert
Familie thematisiert die Gefährdung des sozialen Status: Von der Angst mit der
Familiengründung auch den Beruf und damit eine höhere soziale Anerkennung
aufzugeben, über die Sorge um die richtige Ausbildung der Kinder bis hin zu
existentiellen finanziellen Fragen. Vor dem Hintergrund der ständig
schrumpfenden Mittelschicht, liegt es nahe, dass sich der Kampf um das
finanzielle und soziale Überleben zusätzlich verschärft. Eine eigene Familie
wird immer mehr zum Statussymbol.
Gesundheit: Grundlage
zur Leistungsfähigkeit
Im Fokus der Sorge steht neben dem eigenen Status das Wohl der Kinder.
Eltern sorgen für ihre Kinder vor, indem sie in die Optimierung ihrer
Startvoraussetzungen investieren. Das zeigt sich auch in den Ergebnissen zum
Wert „Gesundheit“. Dort stehen ebenfalls Kinder im Fokus des Interesses. Es sind
hauptsächlich psychische Aspekte der Gesundheit, die besprochen werden:
Konzentrationsstörungen, mangelndes Selbstvertrauen, Lernschwächen – allesamt
Beeinträchtigungen der aktuellen und späteren Leistungsfähigkeit des
Nachwuchses. Zwar wird die Ursache im steigenden Leistungsdruck auf das Kind
gesehen. Vor allem aber sieht man solche Defizite als Wettbewerbsnachteil in der
Leistungsgesellschaft. Man setzt auf Anpassung statt auf Ursachenbekämpfung. Das
zeigt sich auch im Erwachsenenalter: Aus Angst vor dem Verlust der Arbeit bleibt
man trotz Krankheit nicht zuhause. Gesundheit ist der notwendige Normalzustand
in der Leistungsgesellschaft und wird zum Lebensstil, dessen Grundprinzip die
Optimierung der eigenen Leistungsfähigkeit bedeutet. Krankheit hingegen wird zur
Bedrohung des Status und Stigma sozialer Benachteiligung. Gleichzeitig hat sich
das Selbstverständnis des Patienten gewandelt. Auf der Grundlage von Austausch
und Ratsuche im Internet stellt er seine eigenen Diagnosen. Aufgeklärt, kritisch
und selbstbewusst fordert er die Autorität des Arztes heraus, der – etwas
zugespitzt formuliert – nur mehr für die Ausstellung des richtigen Rezepts
benötigt wird.
Freiheit: Internet
schlägt Religions- und Meinungsfreiheit
Das Internet spielt auch in Verbindung mit dem am häufigsten diskutierten
Wert, der „Freiheit“, eine bedeutende Rolle. Neben der politischen Freiheit wird
auffällig oft das Internet thematisiert. Das Web genießt eigene Regeln und den
Ruf besonderer Freiheit, die es zu verteidigen gilt: ungezwungene
Meinungsäußerung, schrankenloser Austausch, kostenlose Inhalte. Viele User
begreifen das Internet als subkulturelles und subversives Medium und damit als
Möglichkeit zur Systemkritik. Politisches und wirtschaftliches Establishment
werden in den Foren oftmals als Gegner verstanden. Dabei bemühen sich Politik
und Wirtschaft zusehends um das kooperative Prinzip des Webs. In Bezug auf den
Wert „Erfolg“ zeigt sich bereits ein deutlicher Konsens in der Community: Große
Erfolge hat man nicht alleine – sondern erreicht sie nur zusammen.
Authentizität: Nichts
schlägt die Wirklichkeit
Authentizität wird nicht diskutiert, sondern selbstverständlich
praktiziert. Trotzdem sind in der kleinen, aber feinen Diskussion eindeutige und
interessante Tendenzen zu erkennen. Die zunehmende Digitalisierung unserer
Lebenswelt führt zu einem Bedeutungszuwachs des Echten, Realen und Angreifbaren.
Das zeigt sich z. B. deutlich am Thema Arbeit: Manuelle, körperlich anstrengende
Arbeit wird als „ehrliche Arbeit“ verklärt, die in der Wissensgesellschaft rar
geworden ist. Im Informationszeitalter erfährt auch eine glaubwürdige
Berichterstattung eine höhere Bedeutung: User überprüfen akribisch Artikel und
Statistiken auf ihre Zuverlässigkeit. Gute Quellen werden weiterempfohlen, vor
unglaubwürdigen wird gewarnt. So schafft die Gesamtheit der User eine ganz
eigene Form der Berichterstattung.
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WERTE 2009 |
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1. |
Freiheit |
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2. |
Erfolg |
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3. |
Familie |
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4. |
1. Gesundheit |
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|
2. Sicherheit |
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6. |
Natur |
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7. |
Einfachheit |
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8. |
Anerkennung |
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9. |
Gerechtigkeit |
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10. |
Gemeinschaft |
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11. |
Authentizität |
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12. |
Selbstverwirklichung |
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