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Unterschiedliche
Lebenswelten und soziale
Werte können via Internet erreicht werden. |
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Lebenswelten im Multi-Channel-Vertrieb erreichen
Wer die klassische rote Gaggia Espressomaschine oder
den neuen BMW Mini vergleicht, könnte denken, Lifestyle sei Design. Die berühmte
Espressomaschine bezieht ihren Lifestyle aber aus der Autorität, eines der
ältesten und bekanntesten Produkte im Markt zu sein. Wer sich mehr für Kaffee
interessiert als andere, wird dieses Produkt als Teil seines Lifestyles
akzeptieren. Das Wissen um guten Kaffee ist dabei die Basis eines Lebensgefühls,
Design nur sein Ausdruck.
Der BMW Mini hingegen hat nichts, aber auch gar nichts mit dem Mini Cooper
gemein, der einmal Kult wurde. Das Produkt wurde bei völlig neuen Zielgruppen
vermarktet. Alles, was blieb, ist die Idee des „Kult an sich“, den auch die
neuen Mini-Käufer haben wollten. Nur kann man hier nicht mehr von einer
authentischen Produkt-Lifestyle-Kombination sprechen. Hier wurde ein Lifestyle
künstlich geschaffen. Das wäre noch vor zehn Jahren undenkbar gewesen.
So haben sich die Vorteile, die Lifestyle für den Kunden mit sich bringt,
radikal gewandelt. War es früher vor allem eine Belohnung für geleistete Arbeit,
kauften andere später diese Produkte, wie z.B. Uhren, um den gesellschaftlichen
Status zu erhöhen. Aber auch „Mein Haus, mein Auto, meine Yacht“ zeigen nicht
mehr die erhoffte Wirkung.
Was Kunden heute suchen, ist eine Gruppenzugehörigkeit. Erst wer durch den
Konsum die gleichen sozialen Werte signalisiert wie die angestrebte Gruppe, kann
sich als „dazugehörig“ fühlen. Es geht um die künstliche Erschaffung einer
sozial gewünschten Lebenswelt. In diesem Sinne sind die „LOHAS“, Menschen mit
Lebensstil rund um Wohlbefinden und Nachhaltigkeit, nur die Ausprägung einer
viel größeren Entwicklung.
Vom Lifestyle zur Lebenswelt
Fragen Sie, wen Sie wollen, Lifestyle wird jeder anders definieren.
Douglas, der Konzern, welcher sich selbst als führendes Lifestyle-Unternehmen
versteht, definiert Lifestyle im Handel so: „Herausragenden Service,
erstklassige Sortimente, ansprechendes Ambiente und faire Preise“.
Für mich sind das grundlegende Markenwerte im Handel und kein Lifestyle. Ich bin
mir sicher, viele Kunden sehen das genauso.
Moderne Definitionen gehen dann auch weit darüber hinaus. Der Lifestyle Report,
einer der wichtigsten Trendgeber in Sachen Lebensstil, findet: „Der Lebensstil
(Lifestyle) kennzeichnet die charakteristischen kulturellen und subkulturellen
Verhaltensmuster einzelner Personen oder einer Gruppe. Im Lebensstil kommt die
Wert- und Zielorientiertheit der Konsumenten zum Ausdruck.“ Es geht also um
soziale Werte. Damit haben wir auch einen wesentlichen Unterschied zu den
klassischen Beschreibungen von Life-style in der Branche gefunden. Lifestyle
sind eben nicht die neuesten Mode-, Beauty und Freizeittrends oder
Einrichtungsgegenstände und neue Moden beim Essen, Lifestyle ist der Ausdruck
der ganz persönlichen Lebenswelten der Kunden.
Werte im Channel-Mix
Das Verschwinden der Massenmärkte geht mit dem Wachsen des Internet
einher. Hier finden wir alle möglichen sozialen Gruppen, die sich aufgrund ihrer
Interessen und Werte finden. Nehmen wir die über 50-Jährigen, auch 50+ genannt.
Manche haben den ersten Herzinfarkt, andere gründen eine Firma, wieder andere
bereiten sich auf ihren Marathon vor. Es fällt nicht schwer, sich die
unterschiedlichen Lebenswelten und sozialen Werte vorzustellen, die man mit
Produkten ansprechen kann.
Vergleichen wir die Trends zu sozialen Lebenswelten und zum Fernhandel, werden
wir erstaunliche Parallelen feststellen. Die Shopping Clubs im Web 2.0 z.B.
folgen nicht mehr den Erfolgsrezepten im Web 1.0. Es gibt nicht nur ein eBay, es
gibt viele davon. Wir sehen aber auch, dass sich diese Konzepte immer besser mit
den Möglichkeiten im stationären Handel verbinden lassen.
Eine KMPG-Studie aus 2005 sagte voraus, dass „bis zum Jahr 2010 rund 50 Prozent
des gesamten Versandhandelsvolumens online erzielt werden“ und „die Gewinner
eines wachsenden E-Commerce-Marktes neben den Versandhändlern hauptsächlich die
etablierten Unternehmen des stationären Handels im Rahmen eines
Multi-Channel-Ansatzes sind“. Die gute Nachricht: Die Vorhersagen konnten
bestätigt werden. Die schlechte Nachricht: keine. Mehr noch, die
Multi-Channel-Studie des ECC Handel zeigt, dass die Kombination verschiedener
Einkaufswege für Kunden selbstverständlich geworden ist, bei jedem vierten Kauf
im stationären Handel wird sich vorab in On-line-Shops informiert. Was aber
jeden endgültig überzeugen sollte: Neun von zehn Online-Bestellungen sind echtes
Zusatzgeschäft.
Kunden, die den „Club-Artikel“ im Geschäft sehen, aber nicht jeden Tag
persönlich vorbeikommen können, schauen dann eben kurz ins Internet und
bestellen entweder dort oder entscheiden kurzfristig, ob sie vor Ort kaufen.
Egal auf welchen Kanälen Sie die Kunden ansprechen, eines ist Ihnen gewiss:
Aufmerksamkeit. Wer keine Zeit mehr hat, bei anderen zu vergleichen, ist ein
fester Kunde. Wer dazu auch gar keine Lust mehr hat, weil er findet, was er
sucht, und sich gut aufgehoben fühlt, ist ein fester Lifestyle-Kunde. Die
Preisvergleiche finden dann woanders statt.
Michael Domsalla
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Michael Domsalla, Jahrgang 1969, ist Wirtschaftsberater, Experte für
Kommunikation und Inhaber der Crossmedia Agentur KMTO.
Der Berliner verfügt über mehr als 13 Jahre Erfahrung in den Bereichen
Online, PR, Klassik und Direktmarketing in mittelständischen Unternehmen
und Konzernen.
Er arbeitete an preisgekrönten deutschen, europäischen und
internationalen Projekten mit.
Er war unter anderem verantwortlich für Studien und Einführungen von
globalen Unternehmensportalen. Die Karstadt AG und die HypoVereinsbank
gehörten zu seinen Kunden.
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www.kmto.de
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