iPad Foto: Apple
APPgefahren APPetit auf ein neues Internet? Mobile Marketing, das war bis vor Kurzem noch synonym mit SMS. Die Firma Apple hat es geschafft, das Thema komplett zu verändern. Was wir jetzt sehen, ist bereits das nächste Internet: sehr persönlich, zu jeder Zeit, an jedem Ort. Muss man da mitmachen? Diese durchaus berechtigte Frage muss jedes Unternehmen für sich beantworten. Dieser Artikel soll Ihnen einen Einstieg ermöglichen. 20 Millionen mobile Endgeräte werden alleine in diesem Jahr in Deutschland verkauft, so der Branchenverband BITKOM. Dazu gehören elektronische Bücher (eBooks, 2 Mill.) ebenso wie kleine Notebooks mit Internetanschluß (Netbooks, 9,7 Mio.) und jede Menge kleiner Computer-Handy‘s (Smartphones, 8,2 Mio.). Vor allem die sinkenden Datentarife machen die Smartphones zum neuen Synonym für das Handy. Andere Geräte sterben aus. Der Boom bei den Netbooks und die beachtlichen Umsatzzahlen des iPads und anderer Tablet-PCs, verstärken den Trend zum mobilen Computer. Ab 2014, also in nur vier Jahren, wird das Wachstum einen neuen Schub bekommen. Dann sollen mobile Breitbandnetze mit der fünffachen DSL-Geschwindigkeit in ganz Europa verfügbar sein. In diesem Jahr werden dann 19 Milliarden mobile Anwendungen („Apps“) installiert und der Umsatz damit bis auf fast 20 Milliarden Euro anwachsen.
App = Einfach = Apple Der Treibstoff für das mobile Internet sind die Apps. Noch 2008 wurden 68 Prozent des Budgets für Mobile Marketing in SMS-Werbung investiert. 2013 hingegen werden alleine 73 Prozent in die mobile Suchmaschinenwerbung fließen. Mit dem Erfolg der Smartphones ist also klar, wohin die Reise geht. Die Menschen wollen auch und gerade unterwegs das ganze Internet. Der Grund ist einfach: Eine Information ist dann am wertvollsten, wenn sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort verfügbar ist. Das kann nur das mobile Internet. Apps sind zumeist auf eine klare Funktion beschränkt. Das erleichtert die Bedienung enorm. Sie sind keine undurchschaubaren Multitalente, sondern enorm einfache Problemlöser. Apps haben zudem die äußerst angenehme Eigenschaft, viele unnütze Informationen auszublenden. Die besten Apps können einfach personalisiert werden oder nutzen bereits persönliche Dienste im Internet. Die Summe aller auf dem Smart‧phone installierten Apps lässt sich am besten als „Persönlicher Computer“ beschreiben. Nicht nur das Internet, auch die Nutzung der Computer wird somit einfacher und damit massentauglich. Das beste Beispiel ist wohl das iPad, das in allen Generationen ohne große Übung benutzt werden kann. Zahlen & Trends Bereits 63 Prozent der Österreicher, 70 Prozent der Schweizer und 60 Prozent der Deutschen haben eine App verwendet, wenn auch nicht auf dem Handy. Bei der mobilen Nutzung sind die Zahlen noch bescheiden: Circa 11 Prozent der Deutschen haben schon einmal eine App auf das Handy geladen. Erwartungsgemäß liegt in Haushalten mit einem Nettoeinkommen über 4000 Euro die Quote der App-Nutzung deutlich höher, nämlich bei 25 Prozent. Dabei nutzen – und das ist richtungsweisend – 21 Prozent aus dieser Gruppe ihre Apps bereits häufiger als das Internet. Ein deutlicher Trend bei denen, die sich das heute schon leisten können. Die Anzahl potenzieller Endgeräte ist enorm. Der Mobile Web Device Report zählte für den Zeitraum von Februar 2009 bis Februar 2010 zwischen 1.736 und 2.508 unterschiedliche Endgeräte. Diese werden im Wesentlichen von fünf Betriebssystemen angetrieben. Nokias Symbian war 2009 in Deutschland mit einem Marktanteil von 58,5 Prozent führend. Microsoft nahm mit 18,4 Prozent Marktanteil den zweiten Platz ein, gefolgt von Apple mit 15,2 Prozent, RIM (Blackberry) mit 6,1 Prozent und Android (Google) mit 1,4 Prozent. Schaut man aber auf die tatsächliche Nutzung, sehen die Zahlen einfacher aus: 48 Prozent der Datenabfragen kamen vom iPhone, 17 Prozent von Android, dabei liegen die Downloads bei Apple um den Faktor 2,6 höher. Das vereinfacht die Strategie. Jedenfalls im Augenblick, denn weitere App-Geschäfte sind am Start oder wachsen bereits und Android hat in den USA Apple gerade überholt. Wer nur auf Apple setzt, kann bereits jetzt auf eine beachtliche Basis zugreifen. Weltweit werden in diesem Jahr wohl 36 Millionen iPhones verkauft, das entspricht einer Steigerung von 40 Prozent zu 2009. Dazu kommen ca. 4 Mio. iPads in diesem Jahr. Allerdings ist die Konkurrenz Hunderttausende Apps groß und 30 Prozent der Einnahmen werden als Provision an Apple fällig.
Es wächst gemeinsam, was zusammengehört Die Internetnutzung war bei markenaffinen Zielgruppen schon immer größer. Menschen mit wenig Zeit, aber ausreichend Geld. Immerhin 51 Prozent davon erfreuen sich bereits jetzt am mobilen Einkaufen. Vor allem die sozialen Netzwerke wie Facebook & Co. gehören mobil zu den Gewinnern. 30 Millionen Deutsche nutzen diese Dienste. Hier vereinen sich alle Vorteile mobiler Computer: jederzeit, an jedem Ort, die richtige Information sofort verfügbar zu haben, vor allem von Bekannten, Kollegen oder wichtigen Meinungsführern. Ebenfalls beliebt sind mobile Navigationsdienste, deren Nutzung in Europa im letzten Jahr um 68 Prozent gestiegen ist. Von den insgesamt 21 Mio. Handynutzern mit Navigation setzen den Service 27 Prozent zu Fuß oder auf dem Fahrrad ein, 35,3 Prozent in öffentlichen Verkehrsmitteln und der Rest erwartungsgemäß im Auto. Navigation wird zu einem alltäglichen Vorgang. Neben der Navigation (59 Prozent) interessiert sich die überwiegend männliche Kundschaft (60 Prozent) vor allem für Nachrichten (71 Prozent) und Einkaufen (51 Prozent). In den USA liegt das größte Wachstum mit 67 Prozent übrigens derzeit bei den über 65-jährigen. Schöne Ausblicke Neben den Apps gibt es aber noch Webseiten, die für mobile Geräte optimiert sind, Widgets, die von Webseiten aus genutzt werden können und Webtechnologien wie HTML5, welche die mobile Nutzung weiter vereinfachen. Lohnt sich also eine App? Einfache Antwort: Eine App lohnt sich dann, wenn eine wertvolle Datenbank dahinter liegt. Apps sind Anwendungen, sie brauchen also sinnvolle Funktionen, die möglichst einen wiederkehrenden, persönlichen Zusatznutzen entfalten, sonst interessieren sich dafür nur APPsperten.
Michael Domsalla, Jahrgang 1969, ist Wirtschaftsberater, Experte für Kommunikation und Inhaber der Markenmanufaktur KMTO. Der Berliner verfügt über mehr als 13 Jahre Erfahrung in den Bereichen PR, Online-, Klassik- und Direktmarketing in mittelständischen Unternehmen und Konzernen. Er arbeitete an preisgekrönten deutschen, europäischen und internationalen Projekten mit. Er war unter anderem verantwortlich für Studien und Einführungen von globalen Unternehmensportalen. Die Karstadt AG und die HypoVereinsbank gehörten zu seinen Kunden. blog.kmto.de
Matthias Horx, Gründer des Zukunftsinstituts, fesselte das Publikum des Zukunftskongresses 2010. Als Keynote-Speaker verortet er den aktuellen Stand der Trend- und Zukunftsforschung.
Zukunftsreferentin Corinna Langwieser prognostiziert eine neue Ära des partizipativen Konsums
„Konsument 2020”: Richtungsweisende Zukunftsstudie
Zukunftskongress 2010: Unternehmen Zukunft – Zukunftsunternehmen Beim Zukunftskongress Anfang Juli in Frankfurt erläuterte Corinna Langwieser dem bis auf den letzten Platz besetzten Auditorium, was Verbraucherwunsch sein wird und welche Trends das Einkaufsverhalten beeinflussen werden. Für DIGEST wird Corinna Langwieser, zusammen mit Anja Kirig Autorin der Studie „Konsument 2020“ des Zukunftsinstituts, konkret. Sie erklärt, wie sich der mittelständische Handel auf Konsumtrends unter dem Megatrend „Individualisierung/Selbstverwirklichung 2.0“ einstellen kann: DIGEST: Beim „Ich-Werte-Konsum“ wollen die LOHAS nicht nur mit Geld, sondern durch direktes Wirken Gutes tun. Was bedeutet das für ein Fachhandelsunternehmen? Corinna Langwieser: Entscheidend am „Ich-Werte-Konsum“ ist die Übertragung auf die persönliche Ebene. Jeder einzelne Käufer möchte das Gefühl haben, mit seinem Handeln möglichst wenige Schäden zu verursachen. Da das nicht immer geht, weil zur Herstellung und beim Transport von Waren Ressourcen benötigt werden, lassen sich neuartige Gegengeschäfte auch in einem inhabergeführten Unternehmen perfekt realisieren. Jeder Verantwortliche kann dabei für sich entscheiden, an welcher Stelle der Konsument in die Pflicht genommen wird. Welches Gegengeschäft passt zu seiner Marke? Welche Strategie entspricht der Firmenphilosophie? Welche Mitwirkungsmöglichkeiten des Kunden machen Sinn? Der Ich-Werte-Konsum erlaubt Genuss mit Sinn. DIGEST: Beim Konsumtrend „Mood Manufacturing“ – Glück als USP – sollen Konsumgüter ihre Eigentümer nachhaltig emotional zufriedenstellen. Wie kann der mittelständische Einzelhandel Glück als USP nutzen? Corinna Langwieser: Zum einen, indem er sein Geschäft als Beitrag zur Befriedigung persönlicher Konsumbedürfnisse versteht. Das fängt bei einer optimistischen Einstellung von Firmenleitung und Mitarbeitern an und endet bei einer hohen Servicequalität. Des Weiteren werden wir künftig erleben, dass unter dem Stichwort Glück immer neue Produkte in die Regale gelangen, die das Glücksgefühl der Käufer optimieren können. DIGEST: Konsumtrend „How-to“ – wir wollen es wissen: Für Sie ist das Maggi-Kochstudio Pionier für diesen Trend. Tatsächlich generieren Cookshop-Fachhändler mit eigenen Kochschulen guten Umsatz. Verkauft sich hier das Lernen und nicht das Ergebnis? Corinna Langwieser: Es ist richtig, dass auf den großen Konsumtrend „How-to“ ein kleinerer Marketingtrend des Public Cookings aufgesetzt wurde. Nun gilt es, diese Idee gezielt auf die eigenen Markenkernwerte zu übertragen. Jeder Anbieter muss für sich klären, welche Zielgruppe er mit seinen Schulungsangeboten erreichen möchte, welche Specials dort angeboten werden und wie dieses Angebot in den gesamten Markenauftritt passt. Wer den Konsumententrend How-to ernst meint, der hilft den Menschen, ihr Bedürfnis nach Durchblick und Anleitung zu befriedigen. DIGEST: Neben dem Wissen geht es beim Trend „How-to“ um das Erleben wollen. Sie verweisen hier auf Flagshipstores der Marken, die mit viel Geld Faszination erlebbar machen. Funktioniert das auch im „normalen“ Einzelhandel? Corinna Langwieser: Der Erfolg von kleinen Spezial-Shops beweist: Mit einem konzentrierten Angebot lässt sich bisweilen authentischer und zielführender auf die Bedürfnisse der Konsumenten reagieren als mit einem großen Gemischtwaren-Laden. In diesem Sinne eignet sich die Idee des „How-to“ für jeden interessierten Einzelhändler. Sie bedeutet, dass die Sehnsüchte des Konsumenten danach, ernst genommen zu werden und die Produkte zu bekommen, die seinen Wünschen am besten entsprechen, umgesetzt werden. Je komplexer unsere Lebenswelt in Zukunft wird, desto bedeutender wird dieser Konsumtrend. DIGEST: Konsumtrend „Dialogisierung“: Wie kann ein Einzelhändler zwischen Communities von Megabrands und Ideenwettbewerb bei Tchibo noch im Gespräch bleiben? Anders als bei der guten alten Mundpropaganda scheint beim neudeutschen Buzz-Marketing der Fachhandel keine Chance mehr zu haben. Corinna Langwieser: Das sehe ich anders. Der Konsumtrend „Dialogisierung“ ist die Antwort auf die veränderten technischen und soziokulturellen Möglichkeiten und damit die Übertragung der Mund-zu-Mund-Propaganda auf die heutige Zeit. Wer es schafft, die Vorteile seines Angebots allein über das Weitersagen hinzubekommen, ist von sich aus auf einem guten Weg. Für alle anderen gilt: Die Idee einer Dialogisierung stellt keine Bedrohung, sondern eine Chance auch für den lokalen Fachhandel dar. Das Web 2.0 bietet ja gerade die Möglichkeit, mit relativ kleinem Aufwand eine große Wirkung zu erzielen. Auch wer nicht in einen direkten Dialog mit dem Hersteller oder Verkäufer tritt, möchte persönlich angesprochen werden, sich ernst genommen fühlen und will wissen, über welche Kanäle er Kontakt aufnehmen könnte. Aufmerksamkeit lässt sich auch mit kleinen Dialogisierungsideen erregen, bei denen die Konsumenten um ihre Meinung oder um Neugestaltungsvorschläge gebeten werden. Das Interview führte Eva Barth-Gillhaus
Wie denkt, fühlt und kauft der Kunde von morgen – wichtig für vorausplanende Konsumergüter-Hersteller. Eine fundierte Studie des Zukunftsinstituts gibt Hilfestellung. „Konsument 2020“ baut auf dem Erfolg der Studie „Konsument 2010“ auf und beschreibt mit vielen Praxisbeispielen und Infografiken die zehn wichtigsten Konsumtrends im Wandel der Zeit. Im Fokus stehen authentische Wünsche und neue Sehnsüchte der Konsumenten sowie gesellschaftliche Wertewandelprozesse, die die Märkte von morgen prägen und bestimmen werden. Die Autorinnen Anja Kirig und Corinna Langwieser erläutern, wie die Konsumkultur künftig neue Wege zwischen Vernunft, Lust und Moral geht. Zukunftsfähige Produkte/Dienstleistungen müssen verstärkt die Sinne des Konsumenten ansprechen und dabei individuell, nachhaltig und situativ sein. Das Design der Zukunft, so ist der Studie unter anderem zu entnehmen, wird von Multifunktionalität bestimmt: Design muss mehr als nur schön sein. Künftig zählt verstärkt wieder die Funktionalität, ohne dass die Gestaltung vernachlässigt werden darf. Design ist für den Konsumenten eine Selbstverständlichkeit geworden. Der Anspruch an Produkte wird heißen: praktisch, haltbar, günstig und schön. Ein Rat an die Hersteller: „Sprechen Sie Ihre Kunden auch über Material und Gestaltung in ihren Grundsehnsüchten an.“ Eine weitere Forderung der Konsumenten, auf die sich Unternehmen und Händler laut „Konsument 2020“ einstellen sollten: Kunden möchten nicht nur bedient, sondern auch verstanden werden. Zu den wichtigsten Schlussfolgerungen für die Konsummärkte des kommenden Jahrzehnts zählt die Studie auch den Fakt, dass die Verbraucher der Zukunft Abstand vom reinen Lustkauf nehmen werden. Produkte werden vielmehr aufgrund einer neuen, realen Bedürfnislage gekauft. Daher empfiehlt die Studie dem Handel und der Industrie: „Vereinfachen Sie den Alltag der Konsumenten durch Services und Dienstleistungen, die Zeitgewinn, Bequemlichkeit und Kompetenz im Alltag garantieren. Und verkaufen Sie Produkte, die sich für beide Seiten nachhaltig lohnen; erweitern Sie die Kernleistung Ihrer Marke um zusätzliche Dienste.“ Neben den zehn neuen Konsumtrends zeigt „Konsument 2020“ die wichtigsten Schlussfolgerungen für die Konsummärkte des kommenden Jahrzehnts auf. Zusätzlich gibt es Kurzbeschreibungen zu den relevanten Lebensstil-Gruppen der Zukunft, die den Entscheidern in Unternehmen die Relevanz der Trends für ihre Zielgruppe verdeutlichen. www.zukunftsinstitut.de Angelika Campbell
Ein Tag im deutschen Haus „German Living“ heißt der deutsche Part auf der Interior Lifestyle China und findet vom 13. bis 16. Oktober 2010 statt. Die Messe Frankfurt organisiert diesen deutschen Pavillon im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi). Anmeldeschluss ist der 25. Juni 2010. Unter dem Motto „Ein Tag im deutschen Haus“ werden in einer interaktiven Erlebniswelt deutsches Design, Kultur, Tradition und Lifestyle mit Produktpräsentationen kombiniert. Durch die Unterstützung des BMWi profitieren die Aussteller von vergünstigten Teilnahmekonditionen. Zahlreiche Branchengrößen wie ALNO, Mertens, Silit, Erdal, Nachtmann, Fissler, Paper+Design, Glasstudio Borowski oder Burmester sind bereits angemeldet. DIGEST hat Stefan Dimitrov, Vertriebssteuerung International bei ALNO, zur Teilnahme befragt. DIGEST: ALNO wird auf der Interior Lifestyle China im Oktober 2010 in Shanghai ausstellen. Was ist das Besondere der German Living? Stefan Dimitrov: Die German Living ist in diesem Jahr die einzige Sonderveranstaltung, die ihm Rahmen des Auslandsmesseprogramms des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie veranstaltet wird. Das alleine ist schon eine Besonderheit. Damit geht eine starke politische und wirtschaftliche Flankierung einher. Als Aussteller genießen wir das Privileg, repräsentativ einen Lebensbereich darzustellen: Wir geben ein Vorbild für die Erlebniswelt Küche. Wir profitieren dabei von der Präsenz führender deutscher Politiker, dem Empfang des Wirtschaftsministers und der begleitenden medialen Aufmerksamkeit. Unser Messeauftritt findet bewusst als Unternehmens- und Produktpräsentation unter dem Dach des Qualitätslabels „Made in Germany“ statt. DIGEST: Was erwarten Sie sich als Aussteller von der kommenden German Living? Stefan Dimitrov: Als Aussteller suchen wir den Kontakt zu den Entscheidungsträgern aus der Bauwirtschaft und den Immobiliengesellschaften. Wir wollen damit unseren Fachhandel stärken und mit unserer Präsenz auf der German Living zu noch aktiverem Einsatz ermutigen. Wir nutzen die German Living als Plattform und Multiplikator und wollen, dass viele der auf der EXPO 2010 erwarteten Besucher auch eine Vorstellung von unseren Küchenkonzepten erhalten. Deswegen gestalten wir einen Teilbereich aus dem „Leben im deutschen Haus“ aktiv mit. DIGEST: Was würden Sie unseren Lesern und allen interessierten Unternehmen empfehlen? Stefan Dimitrov: Melden Sie sich an und nehmen Sie an der German Living 2010 teil. Bis zum 25. Juni haben Sie hierzu noch die Möglichkeit unter www.german-living.german-pavilion.com.
Porzellanikon in Hohenberg
DIGEST-Interview mit Christian Mikunda, dem Vordenker der Erlebniswirtschaft Warum fasziniert den Kunden geordnete Überfülle? Wie erzeugt moderne Ladendramaturgie Kauffieber? Wieso tragen Verkäufer in Japan einen Hut? Ein neues Sachbuch gibt Antworten, die in der Verkaufspraxis weiterhelfen können. Gibt es Fachbücher, die man amüsiert, überrascht und bereichert in einem Zug zu Ende liest? Wir dürfen Ihnen eines empfehlen: Christian Mikundas Werk „Warum wir uns Gefühle kaufen – Die 7 Hochgefühle und wie man sie weckt“. Der international gefragte Berater aus Wien beschreibt sieben Hochgefühle, nach denen die Kunden, wie er sagt, „verrückt sind“: Glory (das Erhabene), Joy (der Freudentaumel), Power (die Kraftstärke), Bravour (die Raffinesse), Desire (die Begierde), Intensity (die Verzückung) und Chill (das Entspannende). Aus den sieben Todsünden geboren, haben sie seiner Meinung nach deren emotionale Kraft, aber ohne zerstörerische Wirkung. In Zeiten des Mangels, so Mikunda, sind sie ein wichtiger Motor für den Handel. denn beim Kaufen geht es nie nur um Konsum, immer sind Gefühle mit im Spiel. Sie symbolisieren das, was Konsumenten erleben wollen: Kultur auf höchstem emotionalen Niveau, Naturerfahrungen und Lifestyle-Inszenierungen, die Waren mit echten, tiefen Erlebnissen verbinden. Christian Mikunda enthüllt das faszinierende System der Hochgefühle und illustriert mit zahlreichen Beispielen aus aller Welt, wie es gelingt, Konsumenten diese willkommene Verführung anzubieten. DIGEST wollte mehr wissen und sprach mit dem Autor: DIGEST: Wie kamen Sie auf die Idee, die sieben Todsünden aus der christlichen Ethik auf moderne Konsumerlebnisse zu übertragen? Christian Mikunda: Es war eigentlich umgekehrt. Zuerst habe ich die sieben Hochgefühle entdeckt, sie selbst durchlebt und ihre psychologischen Mechanismen erforscht. Dann erst wurde mir allmählich bewusst, dass die Hochgefühle eine Basis haben, eine dunkle Seite, die sieben Todsünden. DIGEST: Ihre Beispiele für Glory, Joy etc. sind meist spektakulär, luxuriös, exotisch. Lassen sich die Prinzipien dieser großartigen Lifestyle-Inszenierungen auch auf die alltägliche Warenpräsentation kleiner und mittlerer deutscher Einzelhändler übertragen? Christian Mikunda: Wenn man ein Buch schreibt, sucht man natürlich nach den weltweit besten Beispielen. Aber ich schreibe auch über einen winzigen Laden, den ich selbst – mit meinen Partner Jürgen Hassler – entwickelte: Bäckermeister Blesgen in Bonn-Endenich. Über einen rauen Stein, ausgehöhlt und von innen beheizt, werden die warmen, knusprigen Backwaren den Kunden gereicht, so dass sie noch knuspriger wirken. DIGEST: Welchen Hochgefühlen sollten Anbieter besondere Aufmerksamkeit schenken um ihr zwar qualitätsvolles, aber eher „normales“ und praktisches Angebot ins rechte Licht zu rücken? Christian Mikunda: Eine Tiefenperspektive auf ein signalhaftes Bild mit zwei symmetrisch platzierten Puppen links und rechts erzeugt ein Glory-Gefühl ohne viel Aufwand. Hohe Warendichte kann Joy-Gefühle bewirken, aber nur, wenn das dichte Warenangebot zugleich geordnet und durchstrukturiert wird. Ich bin also schon glücklich, wenn der durchschnittliche Händler seine „Gerümpeltotalen“ wegräumt. Keinen unaufgeräumten Laden, der alles zerstört! DIGEST: Finden sich Elemente der Verführung auch beim täglichen Einkauf beim Discounter um die Ecke oder geht die reine Bedarfsdeckung ohne die von Ihnen beschriebenen starken Gefühle vor sich? Christian Mikunda: Discounter machen einen großartigen Job. Tchibo mit seinen immer überraschenden Themenwelten hat das Hauptprodukt – den Kaffee – beinahe in den Hintergrund gedrängt. Aber auch Supermärkte werden heute mit Einfühlungsvermögen für das Chill-Gefühl zwischendurch gestaltet. Aus den „Kühlhäusern“ der siebziger Jahre wurden Orte mit Wassersäulen, gutem Licht, dem lebendigen Feeling eines italienischen Marktes. DIGEST: Besteht nicht die Gefahr, dass die Konsumenten sich auch an die aufregendsten Kauferlebnisse gewöhnen und sie nicht mehr als etwas Besonderes wahrnehmen? Müssen dann immer extremere Inszenierungen folgen? Christian Mikunda: Die emotionale Gestaltung am POS ersetzt das Lächeln eines „Besuchen Sie uns bald wieder“ früherer Zeiten. Und kann es ein Zuviel an echt gemeinter Freundlichkeit geben? Übrigens: Immer wenn ein Hochgefühl zu stark wird, wächst das Bedürfnis nach dem Gegenteil. Slow Food und nachhaltiger Tourismus sind so entstanden. DIGEST: Wie sehen Sie generell die Zukunft der inszenierten Konsumwelt? Christian Mikunda: Oh jeh, das werde ich immer gefragt. Mir genügt es zu erklären, wie die inszenierte Welt HEUTE funktioniert, denn da gibt es genug an Unwissen und Ignoranz. Aber haben Sie schon entdeckt, dass ich in meinem Buch auch über Klavierspielen, Gartengestaltung und moderne Architektur schreibe? Wie sehe ich also die Zukunft? Ich sehe, dass sie gut gemacht werden muss, einfühlsam und von Profis – egal, ob das ein Laden ist oder ein Klavierkonzert. Dann werden wir auch in Zukunft Hochgefühlen nachjagen – Geld dafür zahlen, um die halbe Welt reisen oder im Kleinen dafür kämpfen. Angelika Campbell
Econ-Verlag, 272 S. gebunden, ISBN 3–430–20068–7, 30,80 Euro