|
Concept Store „Honigmond“ in
Bonn besetzt kleine, feine Nische
Nischenmarketing - das bedeutet, sich auf eine eng abgegrenzte Zielgruppe zu
konzentrieren und hier zum Spezialanbieter zu werden.
Wichtig dabei: ein klares Profil in Bezug auf Angebot, Service und
Kundenkommunikation.
Wenn in Fachkreisen der
Begriff Nischenmarketing fällt, denkt man schnell an Raphael Vollmar. Der
Juniorchef des traditionsreichen Juwelier-Silber-Porzellan-Geschäfts Vollmar in
Bonn wird gern zu Vorträgen über dieses Thema gebeten. Dabei spricht er weniger
über graue Theorie und mehr über die eigenen Erfahrungen mit seinem Concept
Store „Honigmond“. Seit fünf Jahren überrascht die Dependance des Stammhauses am
Kaiserplatz mit einem raffinierten Sortimentsmix im High-End-Bereich. Die
Kombination aus exklusiven GPK-Marken mit Lifestyle-Produkten aus den Bereichen
Mode, Food, Getränke, Accessoires und Kosmetik ist neu, frisch, stylish und
zieht auch verwöhnte Kunden an. Für den DIGEST berichtet der Jungunternehmer,
ein Vollblut-Händler in der vierten Generation, über seine ungewöhnliche
Geschäftsidee.
Schon während des BWL-Studiums überlegte Raphael Vollmar, wie sich das trotz
aller Anstrengungen lahmende GPK-Geschäft in Schwung bringen ließe: "Näher ans
Kernsortiment, nur führen, was sich lohnt, und keine aufwändige Lagerhaltung
betreiben. Meine Konsequenz: „Ich gehe in eine Nische!“ Diese fand er mit
Unterstützung seines Vaters, des erfahrenen Einzelhändlers Johannes Vollmar, im
Sektor
„Private Luxury“. Hinzu kam die Überlegung, dass in eine feine Tasse ein feiner
Tee gehört, auf edles Porzellan eine Gourmet-Speise, in einen hochwertig
eingerichteten Raum ein superber Duft. So entstand die Idee, Produktkategorien
sinnvoll zu mischen, wobei ausschließlich Highlights in Frage kamen.
Zu den GPK-Edelmarken, die im „Honigmond“ auf nur 70 qm angeboten werden, zählen
u. a. KPM, Meissen, Christofle, La-lique, SIEGER, Baccarat und Raynaud Limoges.
Edles „Beiwerk“ stammt z. B. von Adraschko Kaffee, Fauchon, Kusmi Tee, Veuve
Cliquot und teNeues. Die Hochpreis-Schätze werden zum Teil in Themenwelten
präsentiert - in einem Shop-Ambiente, das den luxuriösen Charakter des Angebots
dezent unterstreicht.
Vollmar Kunden müssen in Kauf nehmen, dass die gewünschten Produkte nicht immer
direkt verfügbar sind. Und: Sie sollten nicht auf den Preis gucken. Denn Raphael
Vollmar gibt keine Rabatte: „So halten wir die Marken hoch und kratzen nicht am
Nimbus des Spektakulären und für viele Unerreichbaren.“ Im „Honigmond“ wird auch
nicht jedem Trend nachgelaufen, doch mit immer wieder neuen, sorgfältig
ausgewählten Produkten dafür gesorgt, dass der Kunde staunt, begeistert wird -
und kauft. Die Konzeption des Ladens, der Tradition mit Moderne verbindet,
gefällt gutsituierten Älteren, aber auch jungen Kunden. Die erwerben vielleicht
nur einen hochwertigen Tee als Geschenk, aber, so Vollmar: „Wir führen sie an
die Nobelmarken im GPK-Bereich heran! Gute Beratung ist hier für uns das A und
O. Die muss cool sein und soll dezent, aber unmissverständlich auf die Knaller
in unserem Geschäft hinweisen.“
Der „Honigmond“-Chef will am Prinzip der Diversifikation festhalten, klein
bleiben und weiterhin auf höchstem Niveau arbeiten. Wichtig auch: „Wir dürfen
uns nicht verkaufen, sondern müssen uns auf unsere Stärken konzentrieren. Gute
Konzepte haben immer eine Chance, aber man muss sie leben.“ Dabei unterstützt
ihn ein engagiertes und kenntnisreiches Personal. In 2010 will sich Vollmar auf
die Vollendung seines „Honigmond“-Konzepts konzentrieren und ein weiteres
Highlight umsetzen. Und auch für das Stammhaus hat er neue, spannende Pläne ...
Angelika Campbell
|